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Zernez
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Zernez () ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Graubünden. Sie gehört zur Region Engiadina Bassa/Val Müstair.
Contents
• Geographie
• Geschichte
• Wappen
• Gemeindewappen
• Dorfwappen
• Bevölkerung
• Sprachen
• Verkehr
• Literatur
• Weblinks
• Einzelnachweise
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Geographie
Das Dorf Zernez liegt auf einer Höhe von 1474 m im weiten Talboden des Engadins am Zusammenfluss von Inn und Spöl und hat rund 1600 mehrheitlich Rätoromanisch sprechende Einwohner. Der Ort ist wichtigster Ausgangspunkt für Wanderungen in den Schweizerischen Nationalpark; ein beliebtes Ziel ist zum Beispiel die Wanderhütte Chamanna Cluozza.
Geschichte
Zernez war schon in prähistorischer Zeit Siedlungsplatz, was eisenzeitliche Funde auf Muottas und Muottas da Clüs sowie bronzezeitliche Siedlungsreste in der Balm Ils cuvels bei Ova Spin zeigen. Auf dem Kirchhügel wurde 1968 und 1971 eine römische Siedlung mit Pferdewechselstation ausgegraben.cite-ref-hls-5-1[5]
1131 wurde der Ort als Gumpo de Ernece, 1161–1164 als Zarnetz (beide Belege in einer Kopie von 1365) urkundlich erwähnt. Im 12. und 13. Jahrhundert erfolgten intensive Rodungen. Besitzungen der Herren von Tarasp und der Herren von Frickingen sind im 12. Jahrhundert, zahlreiche Höfe der Herren von Wildenberg im 13. Jahrhundert fassbar. Diese gingen an den Bischof von Chur und im 14. Jahrhundert an die Planta von Zuoz. Der Turm des Schlosses Wildenberg, der Turm der Familie von Mohr sowie mehrere in Bauernhäuser integrierte Wohntürme stammen aus dem Mittelalter. 1365 kam es in Zernez zu einem ersten Treffen im Vorfeld der Gründung des Gotteshausbundes von 1367.
1499 und 1622 wurde das Dorf zerstört. Der Reformation trat Zernez nach vorangegangenem Bildersturm 1553 bei. 1609 stiftete Rudolf von Planta die frühbarocke Pfarrkirche. Die Planta-Wildenberg dominierten bis ins 19. Jahrhundert die Politik von Zernez und des Unterengadins. 1652 kaufte sich Zernez wie das übrige Tal von Österreich los und gehörte bis 1851 zur Gerichtsgemeinde Obtasna.cite-ref-hls-5-2[5]
Der Wiederaufbau nach dem Dorfbrand von 1872, der grosse Teile des Ortes zerstört hatte, erfolgte im italienischen Stil mit für das Engadin sonst untypischen Halbflachdächern. Im Gebiet Buffalora und Il Fuorn am Ofenpass wurde vom 14. bis ins 17. Jahrhundert (mit Unterbrüchen) Eisenerz gewonnen und verhüttet. Vom 15. bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden riesige Mengen Holz nach Hall in Tirol geflösst.cite-ref-hls-5-3[5] Während des Zweiten Weltkriegs wurden in der Umgebung von Zernez die Sperrstellen Ova Spin und Crastatscha erstellt.
Zu allen Zeiten war Zernez ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt; seit 1913 führt die Linie Bever–Scuol der Rhätischen Bahn durch Zernez. Nach wie vor ist Zernez eine der waldreichsten Gemeinden der Schweiz. 68 Prozent der Fläche des 1914 gegründeten Schweizerischen Nationalparks liegen auf ihrem Gebiet. Das 1968 in Zernez eingerichtete Nationalparkzentrum (Museum) zog 2008 in einen Neubau; seit 2007 beherbergt das barocke Schloss Wildenberg die Parkverwaltung. Zernez ist ferner Sitz der Engadiner Kraftwerke. 1971 wurden das Pumpspeicherwerk mit Livignosee und Ausgleichsbecken Ova Spin eröffnet. In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden Baugewerbe und Tourismus zu den wichtigsten Arbeitgebern.cite-ref-hls-5-4[5]
Wappen
Mit der Fusion erhielt die Gesamtgemeinde ein neues Wappen, in dem die Hauptelemente der drei ehemaligen Gemeindewappen enthalten sind. Das alte Wappen behielt die GĂĽltigkeit als Wappen fĂĽr das Dorf Zernez.
Gemeindewappen
Der Steinbock stammt aus dem Wappen von Lavin, die Türme aus demjenigen von Susch und der Bär aus dem von Zernez.
Dorfwappen
Bevölkerung
| Bevölkerungsentwicklung | Bevölkerungsentwicklung | Bevölkerungsentwicklung | Bevölkerungsentwicklung | Bevölkerungsentwicklung | Bevölkerungsentwicklung | Bevölkerungsentwicklung | Bevölkerungsentwicklung | Bevölkerungsentwicklung | Bevölkerungsentwicklung |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | 1835 [ 6 ] | 1850 [ 6 ] | 1900 [ 6 ] | 1910 [ 6 ] | 1950 [ 6 ] | 1980 | 1990 | 2000 [ 6 ] | 2020 |
| Einwohner | 634 | 603 | 596 | 1075 (Bahnbau) | 739 | 920 | 869 | 959 | 1506 |
Zahl fĂĽr 2020 inkl. die ehemaligen Gemeinden Lavin und Susch.
Sprachen
1880 gaben 84 %, 1900 79 % und 1941 78 % der BĂĽrger Romanisch (in der Variante des Vallader) als Muttersprache an. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Anteil des Romanischen zwar weiter zurĂĽck, doch ist dieses nach wie vor Mehrheitssprache. 1990 gaben 81 % und im Jahr 2000 80 % Romanischkenntnisse an. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt folgende Tabelle (gĂĽltig fĂĽr den Ortsteil Zernez, ohne Lavin und Susch):
| Sprachen in Zernez | Sprachen in Zernez | Sprachen in Zernez | Sprachen in Zernez | Sprachen in Zernez | Sprachen in Zernez | Sprachen in Zernez |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Sprachen | Volkszählung 1980 | Volkszählung 1980 | Volkszählung 1990 | Volkszählung 1990 | Volkszählung 2000 | Volkszählung 2000 |
| Sprachen | Anzahl | Anteil | Anzahl | Anteil | Anzahl | Anteil |
| Deutsch | 207 | 22,50 % | 243 | 27,96 % | 300 | 31,28 % |
| Rätoromanisch | 645 | 70,11 % | 571 | 65,71 % | 586 | 61,11 % |
| Italienisch | 56 | 6,09 % | 41 | 4,72 % | 42 | 4,38 % |
| Einwohner | 920 | 100 % | 869 | 100 % | 959 | 100 % |
Religionen und Konfessionen
Herkunft und Nationalität
Von den 1044 Bewohnern waren 922 (= 88 %) Schweizer Staatsangehörige (Stand: Ende 2005).
SehenswĂĽrdigkeiten
Siehe auch
:
Liste der KulturgĂĽter in Zernez
In Zernez liegt das aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammende Schloss Wildenberg. Im Ortsteil Runatsch steht eine frĂĽhbarocke Pfarrkirche von 1609 mit reichen Stuckverzierungen.
• Barocke evangelische Pfarrkirche mit dem romanischen Turm des Vorgängerbaus.
• Gotische reformierte Kapelle San Bastian.
• «Chasa Bezzola»
• Bahnhistorisches Ensemble am Bahnhof.cite-ref-7[7]
• Ausweichstelle der RhB.cite-ref-8[8]
• «Morenturm», mittelalterlicher Wohnturm.cite-ref-9[9]
• Schloss Planta-Wildenberg.cite-ref-10[10]
• Das neue Nationalparkhaus, Museum zum schweizerischen Nationalpark.
• Hotel Parc Naziunal Il Fuorncite-ref-11[11]
• Im Ortsteil Brail: mittelalterliche evangelische Kirche.
• Ehemalige Talsperre von La Serra.
• Fuorcha, der alte Gerichtsgalgen an der Grenze zu Susch.
Kultur und Veranstaltungen
In der Tradition der Übernamen der Engadiner Dörfer heissen die Zernezer ils magliachognas (deutsch «die Hundefresser»).
Seit 2011 findet Ende Juni / Anfang Juli in Zernez das Burning Mountain Festival statt. Seit 2017 findet alle zwei Jahre das Engadin Schlager- und Volksmusik Openair statt.
Seit 2006 findet jährlich Anfang Juli der Engadin Radmarathon statt, der Teil des Chiba Alpencups ist. Für gewöhnlich werden zwei Streckenvarianten angeboten, die kürzere führt Richtung Ofenpass rauf und verläuft über den Munt-la-Schera-Tunnel führend zum Forcola di Livigno und über den Berninapass zurück nach Zernez. Die längere Streckenvariante führt über den Flüelapass und Albulapass zurück zum Startort.cite-ref-12[12]
Verkehr
Der Bahnhof Zernez liegt an der Bahnstrecke Bever–Scuol-Tarasp mit Anschlüssen an die Albulabahn bzw. die Vereinalinie. Eine Postauto-Linie verbindet Zernez mit Mals im italienischen Vinschgau. Eine weitere Buslinie verbindet Zernez mit dem italienischen Livigno. Durch den Ort verlaufen die Hauptstrasse 27 und die Hauptstrasse 28.
Persönlichkeiten
• Marcus Tatius Tatius Alpinus (um 1509–1562), Humanist, Übersetzer und Poet
• Caspar Grass (1639–1721), reformierter Pfarrer, Theologe und Bibelübersetzer
• Andrea Bezzola (1840–1897), Bundesrichter und Nationalratspräsident
• Jon Guidon (1892–1966), Dichter
• Andrea Schorta (1905–1990), Linguist, Gewinner Prix Charles Veillon und Bündner Kulturpreis
• Rudolf Grass (1906–1982), Zernezer Dorffotograf
• Robert F. Schloeth (1927–2012), Direktor des Schweizerischen Nationalparks, lebte 1958–1990 in Zernez
• Jacques Guidon (1931–2021), Zeichner, Maler, Bildhauer, Schriftsteller und Theaterregisseur
• Ursina Haller (* 1985), Snowboarderin
Literatur
• Luzi Dosch: Zernez (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 590, Ser. 59). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 1996, ISBN 3-85782-590-1.
• Paul Eugen Grimm: Zernez. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
• Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden. Band III: Die Talschaften Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 11). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 1940. DNB 760079625.
• Peter W. Roth: Der lange Weg zur achtgrössten Gemeinde. Zernez ist bereits 850 Jahre alt. In: Engadiner Post vom 3. März 2011, S. 5.
Weblinks
Commons
: Zernez
– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
• Offizielle Website der Gemeinde Zernez
• Zernez auf der Plattform ETHorama
• Zernez Tourismus auf myswitzerland.com
Einzelnachweise
cite-note-11. Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
cite-note-22. Geographische Kennzahlen – Suche. Gemeindestand 06.04.2025. In: Applikation der Schweizer Gemeinden (admin.ch). Bundesamt für Statistik (BFS), abgerufen am 29. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen wurden die Flächen zum Stand 1. Januar 2025 zusammengefasst).
cite-note-33. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Bezirken und Gemeinden, 1991–2024. In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik, abgerufen am 28. August 2025 (bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst).
cite-note-44. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter, 2010-2024. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2024 zusammengefasst. Abruf am 28. August 2025
cite-note-hls-55. Paul Eugen Grimm: Zernez. In: Historisches Lexikon der Schweiz. Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
cite-note-0-65. Paul Eugen Grimm: Zernez. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 14. Dezember 2016.
cite-note-77. ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Bahnhistorisches Ensemble am Bahnhof (Foto) (Memento vom 5. Oktober 2013 im Internet Archive)
cite-note-88. ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Ausweichstelle der RhB (Foto) (Memento vom 5. Oktober 2013 im Internet Archive)
cite-note-99. ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Morenturm (Foto) (Memento vom 25. September 2023 im Internet Archive)
cite-note-1010. ↑ Kantonsbibliothek Graubünden. Schloss Planta-Wildenberg (Foto) (Memento vom 10. März 2022 im Internet Archive)
cite-note-1111. ↑ Hotel Parc Naziunal Il Fuorn, Zernez auf der Plattform ETHorama
cite-note-1212. ↑ Engadin Radmarathon. Engadin Radmarathon, Scuol, abgerufen am 4. September 2024.